Schon jetzt ein Klassiker: die Tunika Elle von Elle Puls

Im letzten Blogpost zum LeinenSewAlong hab ich sie ja schon ganz kurz vorgestellt, meine neue Tunika Elle von Elle Puls, und jetzt soll sie endlich auch ihren eigenen Beitrag bekommen, denn den verdient sie absolut!

Auf meiner To-sew-Liste steht der Schnitt seit dem Moment, als Elke auf ihrem Blog von der Tunika berichtete, die sie gerade für sich selbst nähte: eine pur anmutende, gerade geschnittene Longbluse mit einer Vielzahl raffinierter Details, die das Nähen spannend machen würden, ohne jedoch die allgemeine Klarheit des Kleidungsstücks zu stören. 


Von meiner heiß geliebten Chobe-Tasche wusste ich, dass Elkes Schnitte unglaublich durchdacht und ihre Anleitungen sorgfältig redigiert sind. Alle Entwürfe durchlaufen vor ihrer Veröffentlichung eine ausführliche Probenähphase, für die Elke auf ein inzwischen bereits eingespieltes Team von erfahrenen Näherinnen zurückgreift. So kommt es auch, dass jede Anleitung durch eine ganze Galerie mit den unterschiedlichsten Designbeispielen ergänzt wird – eine tolle Sache, wenn man noch unsicher ist bezüglich der Stoff- oder Farbwahl. Oder generell als Inspirationsquelle, denn Elkes Modelle sind alle so klassisch-modern, dass sie die perfekte „Leinwand“ bilden für kreative Experimente.

Ich wählte für meine Version ein Leinen-Viskose-Gemisch in einem warmen Braun mit leichtem Goldschimmer, den ich bei meinem letzten Ausflug zu Stoff & Stil gefunden hatte. Die Elle funktioniert mit erstaunlich vielen Stoffarten, aber Leinen erscheint mir nach wie vor als eines der stilistisch passendsten Materialien. Guckt euch nur mal die schöne Elle von TilliT an, dann wisst ihr, was ich meine. Erstaunlicherweise knittert das Gewebe gar nicht so doll, wie man es erwartet würde, sodass ich in der Tunika auch nach einem Tag im Büro noch ganz manierlich gekleidet bin.

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Der Fake-Burberry-Stoff an der inneren Schulterpasse, den Ärmelschlitzen und den Manschetteninnenseiten stammt von einer ausrangierten RTW-Bluse. Am gesamten Oberkörper war mir das Muster eigentlich schon seit Langem zu dominant, aber als Highlights auf dem schlichten braunen Stoff finde ich die Karos jetzt richtig toll. Und die Knöpfe der Bluse habe ich auch gleich mit umgesetzt. Irgendwie gibt es im Moment für mich nichts Schöneres, als alten Materialien neues Leben einzuhauchen.

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Dieser kleine nachhaltige Touch passt perfekt zur Elle, denn sie ist ein Slow-Fashion-Projekt im wahrsten Sinne des Wortes. Die vielen raffinierten Features wie verdeckte Knopfleiste, Ärmelschlitze, doppelte Passe, überlappende Seitennähte und Ziersteppungen brauchen ihre Zeit. Elke lädt explizit dazu ein, sich ganz dem Hobby hinzugeben und „die Details beim Nähen (und Bügeln) zu zelebrieren“.

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Und das sollte man auch ganz bewusst tun, denn abgesehen von den vielen neuen Techniken, die einem dank der großartigen Anleitung kinderleicht nahegebracht werden, ist es eine ungeheuer befriedigende Sache, Schritt für Schritt mitzuerleben, wie unter den eigenen Händen, ein ausgefeiltes Kleidungsstück entsteht, nach dem man in dieser Verarbeitung im Einzelhandel lange suchen müsste. Ich jedenfalls kann mich nicht sattsehen an den vielen wunderschönen Details.

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Natürlich ging auch dieses Mal das Nähen bei mir nicht ohne Drama ab. Das lag aber in keiner Weise an der Anleitung oder dem Schnitt – sämtliche neuralgische Stellen wie Kragen, Ärmelschlitze und Manschetten, die sonst meine Angstgegner darstellten, bewältigte ich mit Elkes Hilfe problemlos. Und auch die krumm-schiefen kantennahen Ziersteppungen gehören der Vergangenheit an, seitdem ich mir für meine W6 einen Absteppkantenfuß besorgt habe (ich weiß wirklich nicht, wie ich bisher ohne so was Großartiges auskommen konnte!).

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Aber offensichtlich hab ich mal wieder beim Zuschneiden und Anzeichnen geschlampt, denn nachdem ich die fertig konfektionierten Ärmel eingesetzt hatte, musste ich leider feststellen, dass ich sie nicht gegengleich zugeschnitten hatte und dadurch ein Ärmelschlitz korrekt hinten und der andere falsch vorn saß. 🙁 Gott sei Dank, bringt mich so was nicht mehr ganz so aus der Fassung wie früher, weil ich mir inzwischen durchaus zutraue, Fehler irgendwie wieder auszubügeln. Außerdem gesellte sich Glück zum Unglück, denn ich hatte mich ursprünglich für die Tunika-Version mit langen Ärmeln entschieden und die gefielen mit ganz unabhängig von den missratenen Schlitzen nicht besonders. Also Schere raus, Ärmel auf die offizielle 3/4-Länge (Version 2) gekürzt und Schlitze sowie Manschetten ans ansonsten fertige Kleidungsstück montiert (war ein bisschen friemeliger als normal, ging aber erstaunlich gut). Und was soll ich sagen? Sowohl die neue Ärmellänge als auch die Ausfertigung der Schlitze und Manschetten gefiel mit jetzt viel, viel besser. Dass der eine Ärmel an der Schulter falsch herum eingesetzt ist, fällt überhaupt nicht auf. Uff, Bluse gerettet!

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Brauchte der Markt einen weiteren Tunika-Schnitt kann man sich fragen. Spätestens nach dem Nähen meiner Elle muss ich sagen: ja! Denn Elke gibt uns erstens eine vorbildliche Anleitung an die Hand, wie man sie sich besser nicht wünschen könnte und die man mit gutem Gewissen auch als Nähschule verwenden kann. Und zweitens hat die Elle zweifellos das Zeug zum Klassiker. Ich freue mich schon jetzt, beim nächsten Mal ihre Wandlungsfähigkeit mit einem komplett anderen Stoff zu testen. Mir schwebt da unter anderem eine edle Abendversion vor – hab da gerade bei Frau Tulpe schimmernde Metallic-Gauze-Webware von Robert Kaufman erstanden …

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Zusammenfassung

Schnitt: Elle von Elle Puls
Stoff: Leinen-Viskose-Gemisch von Stoff & Stil; kontrastierende Details und Knöpfe aus einer alten MORE&MORE-Bluse


Jetzt ab zu RUMS und dann darf ich mich wirklich nicht mehr länger von spannenden Leinen- oder Upcycling-Projekten ablenken lassen: Mein blauer Beitrag zu den 12 Colours of Handmade Fashion im Juni ist zwar bereits zugeschnitten, muss aber auch noch komplett genäht werden. Drückt mir die Daumen, dass ich diesmal halbwegs glatt durchkomme, sonst wird’s knapp. 😉

Habt einen wunderbaren Sommertag!

Sonnige Grüße aus Hamburg

Wiebke

6 Gedanken zu „Schon jetzt ein Klassiker: die Tunika Elle von Elle Puls“

  1. Liebe Wiebke,
    eine tolle Tunika. Die Details hast du superschön gearbeitet. Große Klasse!
    Ich glaube, dass ich den Schnitt auch noch brauche…
    Liebe Grüße Marion

  2. Ich freue mich über deine Rezension. Vielen Dank dafür. Jetzt sehe ich auch erst, dass deine Tunika nicht schwarz sondern braun ist. Leinen-Viskose habe ich auch schon mal vernäht und bin sehr zufrieden damit. Deine Elle ist wirklich super geworden. Ein zeitloses Teil, an dem du hoffentlich noch lange Freude haben wirst!
    Liebe Grüße,
    Elke

    1. Danke, Elke, ich hatte so viel Freude beim Nähen deines Schnittes und werde noch viel mehr davon beim Tragen der Tunika haben! Meine Chobe-Tasche schleppe ich auch Tag für Tag mit größter Begeisterung mit mir herum 🙂
      Liebe Grüße
      Wiebke

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