12 Colours of Handmade Fashion: August – Lila

Oder: Schneidernmeistern hoch 3

Dieser August war lila – dafür hat Selmin gesorgt. Daran, dass er auch ganz im Zeichen von Kleidern stand, war Schneidernmeistern schuld.

Als die Monatsfarbe bekanntgegeben wurde, konnte ich quasi sofort anfangen zu nähen, denn lila gehört zu den Farben, die mir gut stehen, die ich gern trage und die aus diesem Grund auch in mehreren Varianten in meinem Stoffvorrat zu finden waren. Am 1. August ging ich mit dieser Auswahl – 2x gemusterter Viskosejersey von Karstadt, 1x Baumwollmusselin aus dem Bestand meiner Mutter, 1x knallige Sommerbaumwolle von Frau Tulpe – an den Start und musste nur noch festlegen, welchen ich zu was vernähen wollte.

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Sehr geholfen bei der Entscheidung hat mir Monika von Schneidernmeistern, die just in diesem Moment ihr Hot Summer Freebie präsentierte: den Schnitt für ein Vokuhila-Sommerkleid, wie immer schlicht und gleichzeitig raffiniert und – Trommelwirbel – nur im August kostenlos zum Download. Das war natürlich ein Zeichen, denn der Schnitt war wie geschaffen für den dunkellila Musselin, von dem mir auch eine ausreichende Menge zur Verfügung stand.

Die Anleitung war wie immer bei Schneidernmeistern recht knapp gehalten und somit für blutige Nähanfänger nicht unbedingt das Richtige, für alle mit ein bisschen Näherfahrung aber gut zu bewältigen. Das schlichte Kleid wirkt dank der geraden Form modern, ist aber gleichzeitig durch den angedeuteten V-Ausschnitt und die weit überschnittene Schulter, die wie ein kleiner Ärmel fällt, sehr weiblich. Die französische Naht in der vorderen und hinteren Mitte und der gerundete Saum sorgen für das gewisse Etwas und machen das Nähen spannend – sind aber auch dafür verantwortlich, dass das Kleid nicht ganz so schnell fertig wird, wie man am Anfang denken könnte.

Das Ergebnis ist aber der Hammer! Ich war mir zunächst nicht sicher, ob ich mich mit der Version „vorn kürzer als hinten“ anfreunden können würde. Die Befürchtungen waren gänzlich unbegründet. Es ist vielmehr sehr angenehm hinten an den Waden weichen Stoff zu spüren, während vorn an den Schienenbeinen alles schön luftig ist und man dazu beim Laufen optimale Bewegungsfreiheit hat.

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Der Musselin war die perfekte Stoffwahl für das Sommerkleid: luftig, weich fallend und überhaupt nicht durchsichtig. Ich liebe dieses Kleid – vielen Dank, Monika, für diesen großartigen Schnitt! Ich versichere dir, ich hätte dafür auch Geld gezahlt 😉


Zusammenfassung

Schnitt: Hot Summer Freebie von Schneidernmeistern
Stoff: alter dunkellila Baumwollmusselin


Nun hatten wir den 7. August und mein lila Kleid für die 12 Colours of Handmade Fashion hing fertig im Schrank. Irgendwie war ich aber mit dem Thema noch nicht durch. Das lag wahrscheinlich daran, dass hier immer noch so viele andere lila Stoffe herumlagen und Monika im Mai einen anderen Kleiderschnitt präsentiert hatte, für den meine Viskosejerseys nahezu perfekt wären: Noch ein Wickelkleid, bitte.

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Da meine Taille höher sitzt als normal, endeten meine früheren Wickelkleid-Versuche immer damit, dass ich das Kleid nicht trug, in die Altkleidersammlung packte oder zerschnitt und zu T-Shirts umfunktionierte. Aber mit Monikas Schnitt wollte ich es noch mal wagen, schließlich hatte alles, was ich von ihr bisher genäht hatte, einwandfrei gesessen.

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Der geblümte Viskosejersey, den ich für das Kleid wählte (eigentlich war der grafisch gemusterte Jersey meine erste Wahl, aber davon hatte ich nicht genug), trägt sich angenehm kühl auf der Haut und fällt weich wie Wasser – leider verhält er sich exakt so auch auf dem Zuschneidetisch und an der Nähmaschine. Bei den ersten Nähschnitten war das noch nicht so schlimm, je mehr Teile allerdings zusammenkamen und je schwerer das Work-in-progress wurde, umso größer wurden meine Probleme. Der Stoff glitt mir vom Tisch, vom Schoß, vom Bügelbrett, von der Nähmaschine. Dazu kam, dass er sich zwar quer halbwegs stabil verhielt, längs aber so hochgradig dehnbar war, dass es mich schier um den Verstand brachte.

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Die meisten Probleme hatte ich bei der Endverarbeitung der vorderen Belege. Hier sollten die Belege nach dem Umbügeln knappkantig festgesteppt werden. Klingt ja erst mal nicht so dramatisch, aber meine Nähmaschine beschloss, bei einem einfachen Geradstich zu kapitulieren und nur noch Fehlstiche zu produzieren (die Overlock hatte im Vorfeld bei allen anderen Schritten keine Zicken gemacht). Der dehnbare Dreifachstich, auf den ich danach auswich, wellte die Belegkante aber wie nichts Gutes. Nur dass man diesen Stich nie wieder aufgetrennt bekommt, schon mal gar nicht bei einem hyperstretchigen Viskosejersey. 🙁 Hab ich eigentlich erwähnt, dass es sich um die oben liegende Belegseite handelte, die man auf jeden Fall sehen würde? Aaaaaah, wenn schon was schiefgeht, dann richtig! Hardcore-Bügeln half, das Wellen etwas einzudämmen, aber aus der Welt schaffte ich das Problem leider nicht.

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Jetzt musste ich mir dringend was einfallen lassen, für den zweiten Beleg und für die Nähte, mit denen die Belegaußenkante an das Kleid gesteppt wird. Ich verstärkte die Kanten der Belege nachträglich mit aufbügelbarem Formband, wodurch die Fehlstiche aufhörten. Dafür schob das normale Nähmaschinenfüßchen die obere Stoffschicht überproportional stark nach vorn, was zu einem Versatz von rund 1,5 cm auf 10 cm führte. Hier war mit Bügeln rein gar nichts mehr zu machen und ich zückte den Nahtauftrenner. Als Nächstes installierte ich den erst kürzlich erstandenen Obertransportfuß zu meiner W6. Das reduzierte zwar das Problem des Verschieben der Stofflagen, es blieb aber immer noch ein Versatz von 0,5 cm auf 10 cm. Eskalationsstufe 3: Obertransportfuß + Wondertape + enges Heften per Hand. Wenn das nicht helfen würde, wäre mein Latein am Ende. Aber offensichtlich hatte der Nähgott Erbarmen mit mir armen Schneiderlein und ließ mich eine wunderbar glatte Naht nähen. Uff! Die restliche Fertigstellung meines Wickelkleides ging danach wieder ganz flott von der Hand.

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Herausgekommen ist ein wunderschönes und aufgrund der Stoffwahl extrem weibliches Kleid mit dem kleinen Manko, dass sich die Außenkante des vorderen Belegs jetzt halt ein bisschen wellt. Kann ich mit leben – vor allem vor dem Hintergrund, dass ich zwischenzeitlich wirklich fürchtete, das ganze Kleid in die Tonne treten zu können. Durch die Abnäher am Rücken sitzt das Kleid um Längen besser als alle anderen, die ich bis jetzt ausprobiert habe. Ich habe allerdings auch die Taille und damit den seitlichen Durchlass für den Bindegürtel um 2 cm nach oben versetzt. Der Stoff fließt nahezu um den Körper und schwingt bei jeder Bewegung ganz wunderbar elegant. Und auch die Länge, die etwas über das Knie hinausgeht, gefällt mir sehr. Noch ein Wickelkleid? Ja, bitte, wenn es von Schneidernmeistern ist, unbedingt!

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Zusammenfassung

Schnitt: Noch ein Wickelkleid, bitte von Schneidernmeistern
Stoff: geblümter Viskose-Jersey von Karstadt


Wenn ihr denkt, das wäre alles, was ich im August von Schneidernmeistern produziert hätte, dann irrt ihr euch. Ein Kleid hätte ich noch, ich war ja schließlich im Flow. 😉 Zeitlich reiht es sich zwischen Hot Summer Freebie und das Wickelkleid, da es aber nicht lila, sondern grün ist, hänge ich es hinten an, als Zugabe sozusagen.

Schon eine ganze Weile hängen bei mir an der Wand alle Schnittteile für eine Else, den Schnitt, durch den ich überhaupt erst auf Schneidernmeistern aufmerksam geworden bin. Bis dato hatte ich mich schlicht und ergreifend einfach noch nicht entscheiden können, welche der unzähligen Varianten dieses genialen Baukastenkleides ich nähen wollte. Dann kaufte ich einen der großartigen Japan-Jerseys von Frau Tulpe und zumindest die Frage des Stoffes für meine Else war geklärt. Den Ausschlag für eine Blitzproduktion gab dann ein spontaner Ausflug nach Sankt Peter-Ording, für den ich selbstverständlich ein Strandkleid brauchte. Freitag haben wir uns entschieden, von Sonntag auf Montag zu fahren, Freitagabend startete ich die Webrecherche zwecks Inspiration und samstags wurde turbomäßig eine Strand-Else zusammengezimmert. Klingt jetzt nach Pfusch, ist es aber gar nicht geworden, denn in meiner Variante – runder Ausschnitt, 3/4-Ärmel, weiter Rock – ist sie nähtechnisch eigentlich auch nichts anderes als ein großes T-Shirt.

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Als Kleid ist Else herrlich unkompliziert, aber dennoch sehr schick, perfekt zum Vorzeigen für die Location und gleichzeitig überaus unkompliziert bei der Fahrt mit dem Zug mit Rucksack auf den Schultern. Ich bin sehr gespannt, auch noch andere Schwestern meiner Else kennenzulernen. Meine letzte Else war das garantiert nicht.

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Zusammenfassung

Schnitt: Else von Schneidernmeistern
Stoff: Japan-Jersey in Mineral von Frau Tulpe


Jetzt geh ich mal bei Tweed & Greet schauen, was ihr anderen so im August getrieben habt. Ich will Lila sehen!

Tschüss

Wiebke

 

 

 

 

7 Gedanken zu „12 Colours of Handmade Fashion: August – Lila“

  1. Wow! Wann nähst du das alles?
    Deine Kleider sind schön geworden.
    Ich habe mir den Wickelkleidschnitt auch zugelegt.
    Liebe Grüße Marion

    1. 😘 Das Wickelkleid ist ganz toll. Und darüber hinaus flott zu nähen. Noch schneller ging allerdings die Else. Im Moment sitze ich an einem Hemd für meinen Mann – da geht es sehr viel langsamer voran.
      Liebe Grüße
      Wiebke

  2. Hallo Wiebke,
    jetzt bin ich ja echt froh, dass ich mein lila „Hot Summer Freebie“ nicht exakt nach Anleitung genäht habe, sonst sähe es deinem einfach zu ähnlich- nur nicht so gut. Aber das ist ja das Schöne am selbermachen, dass man noch genügend Möglichkeiten zum Abweichen hat ;o) (sage ich mir zumindest immer, wenn ich mich mal wieder nicht an die Vorgaben gehalten habe)
    LG, Ulla

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