12 Colours of Handmade Fashion: März – Rosa/Pink

Nachdem sie mit Grün so überaus komfortabel für mich begonnen hatten, zeigten sich mir die 12 Colours of Handmade Fashion im Februar mit Beige von ihrer spröden Seite. Kaum hatte ich diese farbliche Herausforderung mit ein bisschen Streifen-Trickserei gemeistert, schickte Selmin von Tweed & Greet für den Monat März den nächsten Klopper hinterher: Rosa.

Zugegeben, zum Frühlingsbeginn passt diese Farbe ja thematisch ganz gut und die meisten meiner weiblichen Nähkolleginnen waren auch überaus begeistert. Bei mir hielt sich der Enthusiasmus allerdings in Grenzen, beschränkt sich das Rosafarbene in meinem Kleiderschrank doch auf einige wenige Stücke Unterwäsche – und auch die kommen nicht gerade oft zum Einsatz, denn wie in allen anderen Pastelltönen auch sehe ich in Rosa aus wie ausgespuckt. Zum Glück milderte die gute Fee Selmin den bösen Rosa-Fluch jedoch dadurch ab, dass sie Pink ins Spiel brachte. Auch das nicht gerade meine Lieblingsfarbe und mir in seiner reinsten Form Magenta definitiv zu knallig. Aber wenn ich das Rosa-Pink-Spektrum noch auf Beerentöne ausdehne, dann befinde ich mich wieder im Bereich des für mich durchaus Tragbaren.

Nach diesen Vorüberlegungen ging es an die Stoffwahl. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, mich bei den nächsten Nähprojekten endlich mal an eine Hose zu wagen, aber in Pink? Nee, das ging nun wirklich nicht. Also doch wieder ein Kleid. 😉 Dafür kamen mir gleich die diese Saison ausgesprochen angesagten Dark-Floral-Prints in den Sinn, und bei Karstadt fand ich auch auf Anhieb was Passendes in einem schön fließenden Viskose-Jersey:

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Dann fiel mir allerdings auch wieder ein Stoff ein, den ich im Januar im Winter-Sale bei Ernst Bracker erstanden hatte: ein hochwertiger Woll-Viskose-Jersey mit einer ganz besonderen Struktur in einem warmen, dunklen Beerenton, weich fallend, leicht wärmend – perfekt für die Übergangszeit.

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Ich musste nicht lange überlegen, welchen Schnitt ich hierfür verwenden würde: Das Kleid „Wanda“ sollte es sein aus der La Maison Victor 5/16, ein sehr figurschmeichelnder, weiblicher Schnitt mit V-Ausschnitt, ins Vorderteil eingearbeiteten senkrechten Falten und einem langen Bindegürtel, den man sich mehrfach um die Taille schlingt.

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Wanda, La Maison Victor 5/2016fullsizeoutput_109Die Anleitungen in dieser belgischen Nähzeitschrift sind alle bebildert, sehr ausführlich und gut erklärt, was das Risiko minimiert, dass ich mal wieder irgendetwas nicht richtig verstehe und Mist baue. Das endet dann meist damit, dass ich improvisieren oder gar Teile gänzlich neu zuschneiden muss – etwas, was ich bei diesem edlen Material unbedingt vermeiden wollte. Und wieder einmal wurde ich nicht enttäuscht: Das Kleid ließ sich problemlos und sogar verhältnismäßig zügig nachnähen. Nur das Versäumen mit der Hand nahm etwas mehr Zeit in Anspruch – die Mühe hat sich allerdings auch wirklich gelohnt.

Kleid Wanda aus La Maison Victor 5/2016

Im Gegensatz zum Ausschnitt, der mit Beleg gearbeitet wurde, sind die beiden Gürtelbänder einfach und unversäubert in die Seitennähte des Kleides eingearbeitet, was mich zunächst irritierte. Da der Stoff aber nicht franst und auch von links leidlich gut aussieht, hab ich mich letztlich entschlossen, in diesem Punkt doch einfach der Anleitung zu vertrauen, was sich als gute Entscheidung erwiesen hat. Hätte ich den Stoff für die Bänder doppelt genommen, hätte dies den Gürtel wesentlich starrer und vor allem dicker gemacht – zu Ungunsten einer schönen Silhouette.

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Ich bin superglücklich mit meinem neuen ansatzweise pinkfarbenen Kleid und kann es kaum erwarten, dass es etwas wärmer wird, damit ich es ausführen kann!

Als Nächstes ist es nun aber wirklich an der Zeit, dass ich mich an Hosen heranwage und meine Näh-Skills in dieser Richtung erweitere. Den Schnitt, den ich mir dafür ausgesucht habe, ist Safran vom kleinen, aber feinen französischen Label Deer and Doe. Es ist eine Skinny Jeans mit hohem Bund, die auf elastische Stoffe ausgelegt ist. Eine Reihe von Blogposts auf der Website von Deer and Doe sollen der Hobbyschneiderin dabei helfen, sich die Hose im wahrsten Sinne des Wortes auf den Leib zu schneidern. Mal sehen, wie mir das gelingt. Ich werde zum gegebenen Zeitpunkt darüber berichten.

Was mich jetzt brennend interessiert, ist, was ihr anderen im letzten Monat Hübsches in Rosa gezaubert habt. Also schnell zu Selmin auf den Blog, diesen Beitrag verlinken und dann wird gestöbert.

Habt eine schöne Frühlingswoche!

Wiebke

Bekenntnisse einer Hardcore-Strickerin

More is more and less is a bore!
(Stephen West)

Nähtechnisch arbeite ich gerade fleißig an der März-Herausforderung für die 12 Colors of Handmade Fashion. Da ich darüber ja aber erst Ende des Monats berichten kann und andere aktuelle Nähprojekte im Moment nicht wirklich vorzeigbar sind, will ich euch heute mal eine weitere Seite meiner Crafting-Persönlichkeit vorstellen: die Hardcore-Strickerin.

Wenn ich nicht gerade ganz viel Stress habe oder mich wie vor zwei Jahren üble Handprobleme plagen, vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht mindestens ein paar Reihen stricke. Meistens habe ich parallel mehrere WIPs auf den unterschiedlichen Nadelsystemen, denn es gibt nichts Schöneres für mich, als zu erleben, wie sich eine neue Wolle/ein neues Muster/eine neue Farbkombination anfühlt und entwickelt. Da kann es auch schon mal vorkommen, dass das eine oder andere in Vergessenheit gerät und in irgendeinem Körbchen verstaubt oder von Motten vertilgt wird (Motten sind übrigens der Antichrist der zum Kauf schöner Naturwolle neigenden Hardcore-Strickerin). Versteht mich nicht falsch: Ich bin nicht sonderlich sprunghaft und durchaus in der Lage, Angefangenes auch zu Ende zu bringen (das Zweitschönste für mich ist es nämlich, selbst gestrickte Kleidungsstücke dann endlich auch zu tragen), aber die Inspirationsflut über die verschiedenen Kanäle (Web, Zeitschriften, Wollläden, Yarn Festivals …) ist einfach zu und zu groß. Eigentlich stellt sich mir nie die Frage, was, sondern vielmehr, was ich gerade nicht stricken soll.

Für die Woche Dänemark im Februar hatte ich mir dann auch ganz viel vorgenommen. Sieben freie Tage, stürmisches Nordsee-Wetter, Kamin und lange Sofa-Sessions – könnte es bessere Rahmenbedingungen für die ambitionierte Strickerin geben? Irgendwie war das Wetter aber dann doch besser als gedacht und auch an der Besichtigungsfront war so einiges los, so dass meine Strickbilanz zum Zeitpunkt der Heimreise lediglich eine Socke (und wenn ich eine sage, dann meine ich auch nur eine, nämlich die linke; klassischer Fall von SSS, dem Second Sock Syndrome) und eine Mütze aufwies. Letztere – ein Auftragswerk, das mich inzwischen auch schon wieder verlassen hat – kann sich allerdings sehen lassen.

Mütze "Quadrifurcus" von La Maison Rililie

Die Quadrifurcus meiner Lieblingsstrickdesignerin Rililie befindet sich schon seit geraumer Zeit in meiner Ravelry-Bibliothek, nur bestand bei mir selbst gerade so gar kein Bedarf an Kopfbedeckungen und so war ich froh, die Mütze für jemand anderen stricken zu können. Die Auftraggeberin hatte sich die Madelinetosh Merino Light (meine absolute Lieblingswolle) in der wunderbaren Färbung Black Velvet ausgesucht, einem – anders als es der Name vermuten lässt – tiefen Grau mit Speckles in dunklem Flieder. Ein Traum! In der Wolle war so viel los, dass ich getrost auf die in der Anleitung vorgesehenen Streifen verzichten konnte. Durch die – wie immer bei Rililie – intelligente Konstruktion sitzt die Quadrifurcus perfekt: Mithilfe von verkürzten Reihen wird erreicht, dass das Bündchen hinten schmaler ist als vor. Dadurch werden Stirn und Ohren schön gewärmt und im Nacken staucht sich kein überflüssiges Material. Außerdem – auch nicht zu verachten – weiß man so immer, wo vorn und hinten ist 🙂

Wenn ich auch in Dänemark selbst nicht viel Gestricktes produziert habe, so war ich doch viel erfolgreicher, als es um den Einkauf von Rohmaterial ging – ich berichtete. Die erstandenen Stränge und Konen würden für mindestens vier einfarbige Pullover bzw. Jacken reichen. Nach einer vorangehenden Revision meines Kleidungsbestandes hatte ich nämlich beschlossen, als Nächstes bis auf Weiteres nur noch einfarbige Oberteile zu stricken, die meine bestehende Garderobe sinnvoll ergänzen würden. Ihr müsst nämlich wissen, dass ich eine fatale Neigung zu Fun-Projekten habe, wenn es ums Stricken geht. Das hat sicherlich mit der oben erwähnten überbordenden Inspiriationsflut zu tun, aber irgendwas Ursprünglich-Kindliches scheint bei mir auch aktiviert zu werden, wenn ich vor den Regalen in meinem Lieblingswollladen stehe. Ich berausche mich dann regelrecht an den bunten Farben und immer wieder landen einzelne Stränge in aufregenden Färbungen in meinem Warenkorb, die ich dann zu Hause hüte wie Schätze – auch weil sie so gar nicht zu meiner restlichen Kleidung passen. Oder ich verstricke sie und trage sie dann nicht, weil ich mich damit wie ein Clown oder ein Kindergartenkind fühle. Manche Menschen können Buntes tragen und sehen toll und angemessen damit aus – ich gehöre definitiv nicht dazu.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Es macht schon mehr Spaß, Farben zu verstricken als kleiderschrankkonforme Neutrals. Und deshalb siegt die Neigung auch immer wieder über die Vernunft bei der Wahl des Strickprojekts. Und hier kommt ein weiterer Strickdesigner ins Spiel: Stephen West. Den Strickern unter euch muss ich den in Amsterdam lebenden jungen Amerikaner wahrscheinlich nicht vorstellen, zu omnipräsent ist er inzwischen auf Ravelry, Instagram und Pinterest. Für alle anderen: Stephen West ist der Paradiesvogel der internationalen Strickszene. In seinen Anfängen hat er in der Reihe Westknits technisch perfekte, geometrisch angehauchte Entwürfe in neutralen Erd- und Grautönen präsentiert, die durchaus auch von Männern getragen werden konnten. Irgendwann hat er dann den schrillen Designer Walter Van Beirendonck kennengelernt und seinen Stil komplett gewandelt. Jetzt leuchten seine Strickstücke – ebenso wie der Rest seines Outfits – in allen Farben des Regenbogens und sein Motto lautet sehr treffend: „More is more and less is a bore.“ Ein weiterer zentraler Aspekt seiner Designs sind die stricktechnischen Details und die hochinteressanten Konstruktionen, die den Kleidungsstücken zum Teil einen schon skulpturalen Charakter verleihen.

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Stephen West hat sich komplett von den Fesseln allgemeiner ästhetischer Konventionen befreit. Er macht ausschließlich das, was ihm gefällt, und animiert die Strick-Community dazu, es  ihm gleichzutun. Mit durchschlagendem Erfolg! Selten habe ich so viele aufgeregte, in bunte Pullover, Jacken und Tücher gehüllte Strickerinnen (und Stricker) aller Altersgruppen auf einem Haufen gesehen wie beim Meet & Greet bei mylys anlässlich des Starts zum Doodler-MKAL.

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Doodler von Stephen West in Madelinetosh Socks

Und für alle hatte Stephen ein nettes Wort, mit allen machte er geduldig Selfies. Er mag zuweilen überzogen schrill erscheinen, aber er ist immer absolut authentisch. Und man spürt, dass es ihm bei seiner Arbeit neben dem Spaß an der Kreation immer auch darum geht zu vermitteln, wie wichtig es ist, dass Menschen Freude an dem haben, was sie tun, und zu dem stehen, wie sie sind. All das macht für mich den Reiz des Gesamtkunstwerks Stephen West aus, und so werde ich auch immer wieder schwach, wenn er neue Anleitungen veröffentlicht oder zu Mystery Knit-alongs (MKALs) aufruft – auch wenn ich weiß, dass eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent besteht, dass ich das Endergebnis nicht tragen werde. Immer aber habe ich nach Stephen-West-Projekten etwas gelernt, seien es über Techniken (z. B. Brioche – Stephen war es, der das gute alte Patentmuster hip gemacht hat), über Ästhetik oder über mich selbst.

Anfang des Jahres hat Stephen zum Marled Magic MKAL aufgerufen. Wie bei den vorangehenden Mystery KALs wird die Anleitung über einen Zeitraum von vier Wochen in vier Teilen, jeweils freitags, veröffentlicht. Der Stricker weiß also abgesehen von allgemeinen Rahmendaten nicht, wie das fertige Stück – in diesem Fall ein Schal – aussehen wird: That’s the mystery! 😉 Aber auch ein nicht zu knappes Risiko. Beim letzten MKAL Building Blocks bin ich nach zweieinhalb Clues ausgestiegen, weil mir die Form des Schals und die verwendeten Techniken so überhaupt nicht zugesagt haben. Ich hatte mir danach geschworen, die nächsten Male bis zum Ende des MKALs zu warten und mich dann wie beim Exploration Station anhand der Projektbilder für oder gegen den Schal zu entscheiden.

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Exploration Station von Stephen West

Vier Tage habe ich es ausgehalten, die Instagram-Beiträge begeisterter MKAL-Teilnehmer zu betrachten, dann habe ich die Anleitung geordert und losgelegt. So viel zu guten Vorsätzen. Ich habe aber auch eine gute Ausrede dafür, beim Marled Magic MKAL mitzumachen, jawohl! Es geht nämlich explizit darum, seine Wollvorräte zu verbrauchen. Und die sind bei mir gigantisch. Als ich bei der Auswahl der infrage kommenden Garne alle Kisten, Kästen, Körbe und Tüten gesichtet hatte, hab ich mich kurz gefragt, warum sich mein Mann nicht schon längst von mir hat scheiden lassen – oder mich zum Psychiater schleppt. Es gibt KEINEN vernünftigen Grund, in den nächsten fünf bis zehn Jahren neue Wolle zu kaufen. Diese Auswahl für den Schal stellt nur einen Bruchteil meines gesamten Stashs dar: 🙁

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Umso dankbarer muss ich Stephen für diesen MKAL sein. Es werden über den gesamten Schal immer zwei Fäden Sockenwolle (oder vergleichbarer Wolle in Fingering Weight) zusammenverstrickt. Für den daraus resultierenden Marled-Effekt gibt es verschiedene Varianten, die genau erklärt werden. Weitere Effekte können durch das Verstricken verschiedener Wollqualitäten (normale Sockenwolle, Mohair, Papiergarn, Seide etc.) erzielt werden. Ihr Übriges tun verschiedene Muster (Mesh, Seed Stich, Garter Stich, Brioche). Aber der Fokus liegt auf dem einzelnen Stricker, der beim Zusammenstellen der Garne und Farben seiner Kreativität freien Lauf lassen kann und soll. More is more …

Bei allem Spaß wollte ich mir aber zumindest die Option offenhalten, am Schluss etwas Tragbares produziert zu haben und so war ich feige und habe mit für eine Basis von Grautönen und Rosa/Pink/Lila als Farbflecken entschieden. Inzwischen bin ich mit dem ersten Teil der Anleitung durch und im Hinblick auf das Zwischenergebnis mäßig begeistert (die vielen bunten Beispiele bei Ravelry und Instagram sehen definitiv nach mehr Spaß aus), aber die Anfänge von Teil 2, der gestern erschien, machen dann doch wieder einen vielversprechenden Eindruck.

Ich bleibe am Ball und werde berichten. Drückt mir die Daumen: Ich werde jetzt fliederfarbene Wollmeise mit grauem Kidmohair zu einem einfarbigen Patentmuster vermischen. Ab an die Nadeln!

Habt alle ein schönes kreatives Wochenende.

Viele Grüße
Wiebke

 

12 Colours of Handmade Fashion: Februar – Beige

Februar, der zweite Monat der 12 Colours of Handmade Fashion. Ich hatte mich bereits für viele knallige Farben gewappnet nach dem für mich doch sehr komfortablen Grün des Monats Januar: Gelb, Pink, Lila oder gar Orange? Was Selmin uns dann präsentierte war – Beige. Mmmm, klang ja erst mal gar nicht so gefährlich und auch total kompatibel mit großen Teilen der bestehenden Garderobe. Hat sich aber trotzdem als gar nicht mal so simpel herausgestellt, denn alles Cremefarbene verträgt sich nicht so recht mit meinem Teint.

Ich bin sehr blass, ein bisschen sommersprossig und werde auch im Sommer beim besten Willen nicht braun, sondern höchstens rot – zum größten Leidwesen meiner Haut. Selbst Einschmieren mit SF 50 hilft da nix, also begegne ich der Sonne meist mit Langärmligem, Hüten und Mützen – und meide ansonsten nach Möglichkeit die Konfrontation. Im Winter bin ich dann meist noch einen Tick blasser als sonst. Beigefarbene Oberbekleidung verstärkt den Effekt und lässt mich im schlimmsten Fall richtig krank aussehen. (Letztlich gilt das für alles mit Gelbstich und auch Pastellfarben sind obenrum ein absolutes No-go.)

Beige also … Beinkleider würden ja gehen … Da stünde ich aber vor dem nächsten Problem: dem Zeitfaktor. Röcke und Kleider hatte ich in den zurückliegenden 12 Monaten eine ganze Menge genäht, da wollte ich gerade eigentlich mal Abstand von nehmen. An Hosen hatte ich mich bislang noch nicht recht herangetraut (bis auf eine ganz gerade Ausnahme und zwei Shorts mit Gummizug für den Mann), damit sollte aber demnächst Schluss sein. Auf der To-sew-Liste für dieses Frühjahr stand deshalb eine High-Waist Safran von Deer + Doe, die ich schon seit ihrem Erscheinen letzten Herbst beäugte (der Schnitt ist sogar schon gekauft und ausgeschnitten). Es ist eine enge elastische Hose, die laut Beschreibung für jeden Figurtyp passt. Damit das auch in der Realität so ist, bieten die Designerinnen eine ganze Reihe von Tutorials dazu, wie man sich die Safran direkt auf den Leib schneidert. Ein toller Service, aber auch ein Projekt, das sich garantiert nicht an einem Wochenende näht (vor allem nicht, wenn man bedenkt, wie viel Mist ich in der Regel auf dem Weg zum fertigen Kleidungsstück immer baue). Und da diesen Monat Zeit ja nun das Problem war, fiel also das Hosenprojekt in Beige flach. Womit wir wieder beim ursprünglichen Dilemma waren: beigefarbenes Oberteil vs. blasser Teint.

Einen Februar-Beitrag abliefern wollte ich aber unbedingt. Schließlich war die Tweed-&-Greet-Aktion ja der Auslöser dafür gewesen, warum ich überhaupt mit dem Näh-Bloggen angefangen hatte. Ich stand schon kurz davor, irgendeine cremefarbene Bluse zu nähen, als ich in Selmins Inspirations-Pinterest-Pinnwand auf ein gestreiftes Bretonshirt stieß. Warum war ich darauf nicht schon früher gekommen? Schließlich hatte ich aus einem Karstadt-Ausverkauf noch einen wirklich schönen greige-blau gestreiften Viskosejersey auf meinem ständig wachsenden Stoffstapel. Und seit meinem Walkwolle-Karl geisterte mir auch das Timpe Tee von Schneidernmeistern im Kopf herum. Monika Schmidt-Mader bezeichnet ihre Schnitte als „Crazylazywear“ und so entspannt-spannend wie es klingt, nähen sich ihre Entwürfe auch. Perfekt also für mich und diesen Februar.

Das Timpe Tee ist ein Statement-Bretonshirt, ganz in der Tradition von Picasso und Coco Chanel. Mit weitem Rundhalsausschnitt, 3/4-Ärmeln und weichem, weitem Fall. Bequem ist es und sehr maritim. Vorstellbar in leichtem bis festerem Jersey, ein Versuch wären sicherlich auch die dickeren gestreiften Baumwollstrickstoffe wert, wie man sie aus der Bretagne für dieserart Pullover kennt. Mein Stoff war wie gesagt ein sehr weicher und elastischer Viskosejersey, der sich herrlich kühl auf der Haut anfühlt.

Timpee Tee

Beim Nähen hat er sich aber als kleines Miststück entpuppt. Mit Jersey (auch mit Elasthananteil) hatte ich bisher nie Probleme gehabt, aber dieser hier war so stretchig, dass sich die Stofflagen beim Nähen mit meiner einfachen Nähmaschine immer wahnsinnig verzogen. Ein Obertransport hätte sicherlich geholfen, war aber nicht vorhanden, und der nachträgliche Tipp meiner Mutter, Seidenpapier obenauf zu legen und dann hindurchzunähen, kam auch zu spät – hätte ich mal früher nachgefragt, Seidenpapier wäre nämlich schon zur Hand gewesen.

Na ja, wie dem auch sei, der Stoff verzog sich, ich versuchte alles, es zu verhindern, an manchen Stellen konnte ich mit Bügeln noch was retten, aber oben am Halsausschnitt (auch noch vorn) hab ich jetzt ne kleine Falte. Und die Streifen an einer Seite sind auch ein bisschen versprungen, obwohl ich jeden (!) blauen Streifen mit zwei (!) Stecknadeln fixiert habe. Aber ansonsten ist das Shirt ganz großartig und die kleinen Macken ändern nichts an seiner absoluten Alltagstauglichkeit.

Es muss nur noch ein klein bisschen wärmer werden bis zu seinem Einsatz. Die Fotos haben wir im Dänemark-Urlaub vor unserem Ferienhaus aufgenommen. Es stürmte (man sieht`s an der Frisur) und ich bin halb erfroren. Aber im Sommer wird mich das Timpe Tee ganz wunderbar kühlend umhüllen. Ich muss unbedingt gleich mal ein paar Tage Sankt Peter-Ording planen 🙂

Jetzt schnell noch zur Link-Party bei Selmin und dann bin ich sehr gespannt, wie ihr anderen die Farbe Beige interpretiert habt.

Liebe Grüße
Wiebke

HOHELUFT goes Denmark

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber wenn ich unseren Urlaub plane, dann recherchiere ich im Vorfeld auch immer, ob es neben den üblichen Natur- und Kulturattraktionen im näheren Umfeld des jeweiligen Ferienortes (das Umfeld darf sich dann auch schon mal gern auf einen Radius von 100 km ausdehnen) nicht vielleicht auch irgendetwas Interessantes für die Textilhandwerkerin gibt. Das können Museen, Werkstätten und Märkte sein, gern genommen sind aber natürlich immer auch Wollläden und Stoffgeschäfte.

Diesen Februar war eine Woche Nordjütland angesagt. Februar an der dänischen Nordseeküste, das bedeutet für mich: schönes Ferienhaus, endlose Strände in fußläufiger Nähe und Wetter satt. Im Gepäck jede Menge wärmendes Selbstgestricktes und ein ganzer Sack voller angefangener Strickprojekte (von denen jetzt am vorletzten Tag unseres Urlaubs gerade mal eine Mütze und eine rechte Socke fertig geworden ist – ich war auch schon mal fleißiger). Diese haben mich allerdings nicht davon abhalten können, für weiteren Materialnachschub zu sorgen.

Gleich im 5 km entfernten Saltum befindet sich der hübsche und gar nicht mal so kleine Wollladen Bindestuen.

Hier gibt es neben den großen Marken wie Lana Grossa und Regia viele in Deutschland nicht an jeder Ecke zu bekommende nordeuropäische Garne, darunter auch welche von den Färöern. Die Besitzerin Inger Berthelsen richtet jedes Jahr im Mai das überregional bekannte Wollfestival Saltum aus: ein Muss für alle, die mehr über jütische Wolle und Wollproduktion erfahren wollen. Eigentlich wollte ich mich hier nur mal ein bisschen umgucken, weil ich in Sachen Wollkauf in den nächsten Tagen noch etwas Besonderes vorhatte, aber dann schließlich konnte ich mich doch nicht zurückhalten und so kommen nun ein bisschen dänische Sockenwolle und niedliche kleine Maschenmarkierer mit nach Hamburg.

Das wahre Woll-Event stand dann für heute auf dem Programm: ein Besuch direkt beim Wollhersteller Holst Garn. Ich hatte das Label 2013 durch die junge Strickdesignerin Rililie kennengelernt: Sie präsentierte ihren Cocktail Jumper in Holst Supersoft Uld und schwärmte von dieser Wolle. Mir war das Garn vorher noch nie begegnet, aber als ich es dann in den Händen hielt, wusste ich, was sie meinte. Supersoft Uld ist ein klassisches Shetlandgarn, das sich wunderbar für Fair-Isles-Strickerei eignet und so gibt es auch unglaublich viele Farbvarianten. Das macht die Auswahl nicht leicht, vor allem nicht, wenn man über eine Bildschirmansicht versucht, sich für eine bestimmte Nuance zu entscheiden. Wer die Katze nicht im Sack kaufen möchte, dem empfehle ich wärmstens die Farbauswahlkarten, die ebenfalls bestellbar sind und alle erhältlichen Farbvarianten enthalten. Da die Holst-Wolle im Branchenvergleich recht günstig ist, kann man sich aber auch einfach noch ein oder zwei Knäuel (oder besser gesagt Yarn Cakes) zur Probe bestellen und sich damit später im Zweifelsfall noch eine Mütze oder Armwärmer stricken. Das Garn selbst ist recht dünn, flauscht aber nach dem Waschen noch schön auf. Allerdings bleibt es seinem Namen zum Trotz auch dann in der Haptik verhältnismäßig rustikal, ohne aber wirklich kratzig zu sein (nur supersoft ist für mich was anderes).

Die anderen Garne von Holst hatte ich noch nicht verstrickt, aber ich war sehr neugierig auf die Gemische von Schafwolle mit Baumwolle, Seide oder Kaschmir. Also auf nach Aalbybro, das nur 20 Autominuten von unserem Ferienhaus entfernt liegt. Hier befindet sich der Firmensitz von Holst mit einem nur donnerstags geöffneten Wollladen. Das Navi führte uns über immer kleiner werdende Landstraßen bis zu einer kleinen Ansammlung von Bauernhöfen. Und so sieht es aus, das „Headquarter“ des Garnherstellers:


Drinnen ist es aber umso gemütlicher und es herrschte auch durchaus Betrieb: Man kennt die abgelegene Adresse hierzulande offenbar. An den Wänden stapeln sich die Woll-Küchlein in allen Farben des Regenbogens, daneben gibt es viel Strickzubehör und Materialpakete, zum Beispiel für Mützen mit Fellpompoms.

Da ich wusste, wie sehr man sich in der Farbauswahl verlieren kann, hab ich mich diesmal gleich auf die 500-g-Konen konzentriert. Dafür gab’s davon für mich gleich drei: 1x Supersoft Uld (100 % Schurwolle) in Dark Apple, 1x Coast (55 % Merinowolle, 45 % Baumwolle) in Passion Flotter und 1x Tides (70 % Schurwolle, 30 % Seide) in Mole.

Eine weitere Möglichkeit zum Direktkauf beim Strickhersteller gibt es übrigens ebenfalls in dieser Region Dänemarks. Noch ein bisschen weiter nördlich, in Bindslev, auf dem Weg Richtung Skagen, findet man den Sitz des Woll-Labels Isager. Marianne Isager ist dafür bekannt, ausschliesslich mit Naturfasern zu arbeiten und nur besten Garnqualitäten in einer reichen Farbfülle zu produzieren. Die Öffnungszeiten des Shops sind hier etwas komfortabler: vom 1.7. bis 1.9. täglich 11.00 bis 17.00 Uhr, in der übrigen Zeit donnerstags bis sonntags 11.00 bis 16.00 Uhr.

Um zu vermeiden, dass dieser Urlaub allzu stricklastig würde, musste jetzt dringend noch ein Stoffgeschäft her. Und was läge in Dänemark näher als Stoff & Stil? In Hamburg hatte ich mich bislang noch nicht dazu aufraffen können, mühselig mit den Öffentlichen an den Stadtrand zu fahren, um die Zweigstelle der dänischen Stoffhandelskette in Halstenbek-Krupunder (schon der Name!) zu besuchen. In Aalborg liegt die Filiale nicht gerade pittoresk im Gewerbegebiet im Süden der Stadt gleich neben IKEA. Zum Konzept des Ladens und der Auswahl muss ich euch wohl nicht viel erzählen – wahrscheinlich bin ich die Einzige, die noch nie bei Stoff & Stil war. Ich hab mich auf jeden Fall mit günstigem Overlockgarn und Reißverschlüssen eingedeckt. Ach ja, und drei Stöffchen sind dann auch noch abgefallen … hüstel.

Jetzt wird es dringend Zeit, dass ich wieder nach Hause komme, um meine ganzen Urlaubsmitbringsel zu verarbeiten. Außerdem freue ich mich schon auf den 27.2. und eure Beiträge zur Februar-Aufgabe von 12 Colors of Handmade Fashion. Ich habe mein beigefarbenes Teilchen hier im Sturm vor dem Ferienhaus abgelichtet und kann es kaum erwarten, es am Montag im Blog zu präsentieren.

Habt bis dahin eine wunderbare Restwoche!

Liebe Grüße aus Nordjütland
Wiebke

Was bisher geschah (1): 1 Jahr nähen

Wahnsinn – nun ist es fast ein Jahr her, dass ich mit dem Nähen begonnen habe! Im Winter 2015 fing ich mir irgendwo den Nähvirus ein: Immer interessierter beäugte ich Beiträge von Näherinnen auf Instagram, guckte beim Sockenwollkauf bei Karstadt in der Kurzwarenabteilung vorbei und recherchierte im Internet nach guten und günstigen Einsteigernähmaschinen.

Handarbeiten lag mir, das wusste ich. Ich strickte in jeder freien Minute, ab und an wurde auch mal gehäkelt und jüngst hatte ich sogar „Modern Embroidery“ für mich entdeckt. Nur mit dem Nähen war ich bislang überhaupt nicht warm geworden. Deshalb stimmte mich mein plötzlich aufgeflammtes Interesse auch ein wenig skeptisch: Auf keinen Fall wollte ich zu viel investieren, wenn nicht klar war, ob ich auch bei der Stange bleiben würde. Aber die Maschine durfte auch kein Trash sein, eine reelle Chance geben wollte ich dem potenziellen neuen Hobby schon.

Letztlich wurde mir die Entscheidung abgenommen, denn zu meinem Geburtstag schenkte mir mein Liebster eine N 1236/61 von W6. Und von da an gabs kein Halten mehr! Ich kaufte gefühlt die Nähbuchabteilung von Thalia leer und bei Karstadt erstand ich eine umfangreiche Grundausstattung an Zubehör. Außerdem raffte ich planlos Stoffe zusammen, die mir gefielen … ohne auch nur irgendwas über die verschiedenen Materialien zu wissen (das sollte sich später noch rächen). IKEA, Karstadt, Frau Tulpe – keine Stoffabteilung war vor mir sicher.

Meine ersten Nähversuche machte ich mit dem schönen „Cath Kidston Nähbuch“, das viele nette kleine Projekte (aber leider auch die eine oder andere fehlerhafte Anleitung) enthielt. Mit schweißnassen Händen vor Aufregung (seit langer Zeit lernte ich mal wieder etwas von Grund auf neu!) nähte ich so eine Nähmaschinendecke und -hülle. Es folgten ein Federmäppchen, kleine Portemonnaies, ein Bento-Beutel, ein Lunchbag und eine Hülle für meinen Thermobecher.

Danach fühlte ich mich reif für das erste Kleidungsstück – das auch prompt in die Hose ging. Ich hatte mir bei Akiko eine sündhaft teure japanische Baumwolle ausgesucht, dazu ein einfaches Kimono-Shirt aus der Ottobre. Vom Schnitt her war das Teil für mich weitestgehend zu bewältigen, aber meine mangelnden Erfahrungen in puncto Materialauswahl grätschten mir dazwischen. Das Original war aus einer leicht fallenden Viskose; meine recht feste Baumwolle machte das Shirt zu eine kleinen, starren Rüstung. Dazu kam, dass ich irgendwas mit der Schrägbandeinfassung am Hals falsch machte, sodass der Ausschnitt nach außen abstand. Ich hab noch versucht, was zu reparieren und auf den Fotos sieht’s auch gar nocht so schlecht aus, aber in der Praxis tragbar war das Shirt nicht.

Obwohl ich maßlos enttäuscht war, das neue Teil nicht gleich stolz aller Welt präsentieren zu können (einmal hatte ich es zum Einkaufen an), sah ich doch vage die Möglichkeit, mit ein bisschen Übung und etwas mehr Überlegung (wie sagt meine Mutter immer: „Erst denken, dann nähen!“) doch noch hübsche Kleidungsstücke herzustellen. Und so machte ich einfach weiter. Es folgten weitere Fehlproduktionen und viele Stücke mit groben handwerklichen Schnitzern, aber von mal zu mal lernte ich dazu und wurde sicherer.

Was mir im letzten Jahr gut gelungen ist, werde euch in weiteren Beiträgen noch genauer vorstellen. Für diese Woche schließen möchte ich mit einem kleinen Sneak Peek auf meinen Beitrag zur Februar-Challenge von 12 Colours of Handmade Fashion: ein maritimes Timpee Tee von Schneidernmeistern, von dem ich übernächste Woche in Nordjütland hoffentlich stimmungsvolle Fotos machen kann.

Habt eine schöne Woche!

Wiebke

Eine Jacke zum petrolgrünen Kleid

Nach einem winzigen Intermezzo mit etwas frühlingshafteren Temperaturen scheint der Winter in Hamburg in die zweite Runde zu gehen. Da ich es aber nicht mehr abwarten konnte, mein schönes neues grünes Kleid aus der Aktion 12 Colours of Handmade Fashion endlich auch mal außerhalb meiner Wohnung und des (Fotoshooting-)Hausflurs zu tragen, hab ich mir gestern kurzerhand einen farblich passenden und – hoffentlich – ausreichend wärmenden Long-Cardigan dazugeschneidert.

Den Stoff hatte ich Ende letzten Jahres im Ausverkauf bei Frau Tulpe auf Verdacht mitgenommen. Eigentlich brauchte ich nur ein bisschen Garn und Volumenvlies und hatte mir auch ganz fest vorgenommen, vor Weihnachten keine weiteren Impulsstoffkäufe mehr zu tätigen, aber ihr kennt das ja sicher: Kaum war ich zur Tür rein, waren alle guten Vorsätze vergessen angesichts der tollen Stoffauswahl. Noch dazu fällt man ja in Hamburg bei Frau Tulpe von der Eingangstür quasi direkt in die Kiste mit den runtergesetzten Stoffen. Da soll mal einer mit klarkommen. Naja, wie dem auch sei, jedenfalls stand da eine Rolle mit einem schönen Wollstrickstoff in Walkoptik. Die Farbe war ein dunkles Petrol mit schwarzer geometrischer Musterung, die sich allerdings nicht zu auffällig in den Vordergrund spielt. An den Seiten direkt neben der Webkante war die Stoffbahn durchbrochen mit einer Fransenreihe, so wie bei diesem hier. Ich hatte so was noch nie gesehen, hab aber inzwischen rausgefunden, dass solche Stoffe u. a. für Ponchos verwendet werden (hätte man bei ein bisschen Nachdenken aus selber drauf kommen können). Und da Grün absolut meinem Beuteschema entspricht – ebenso wie Wolle -, hatte ich mir schneller anderthalb Meter von dem Stöffchen abschneiden lassen, als mein Mann piep sagen konnte – Fransen hin oder her.

Zu Hause wurde er gleich durchs Wasser gezogen und kam dann auf meinen immer höher werdenden Stoffstapel. Dass er jetzt so schnell Verwendung finden würde, hätte ich ehrlich gesagt gar nicht gedacht. Aber er passt farblich zufälligerweise nahezu perfekt zum einfarbigen Jersey des Kleides „Gerda“ aus der neusten La Maison Victor. Und um die Sache perfekt zu machen (es grenzte schon fast an Schicksalhaftigkeit), gab es in diesem Heft gleich auch noch eine Anleitung für eine lange (Strick-)Jacke: „Claire“. Es ist ein Anfängerschnitt (wie immer bei LMV sehr gut erklärt), dadurch konnte ich den Cardigan letzte Woche abends nach der Arbeit auch recht problemlos fertigstellen. Im Original werden die Taschenbeutel aus grober Wolle gestrickt und dann aufgesetzt, das war mir dann aber doch ein bisschen zu gewollt, und ich hab dann einfach Taschen aus dem Wollstoff ausgeschnitten und aufgenäht. So Stricktaschen beulen doch bestimmt auch aus wie verrückt … Die fertige Jacke war – wie schon häufiger bei LMV-Schitten (oder bei der Burda) – trotz Ausmessen und Abgleich mit der Maßtabelle ein gutes Stück zu groß, aber bei dem Schnitt war eine nachträgliche Anpassung kein Problem. Ich hab die Ärmel bestimmt rund 6 cm enger gemacht und die Seiten tailliert – jetzt ist der Sitz perfekt.

Und es hat sich herausgestellt, dass der Cardigan nicht nur zu „Gerda“, sondern auch zu Jeans eine wirklich gute Figur macht. Ich bin jedenfalls sehr glücklich damit!

Als Nächstes stehen zwei Aufgaben an:

1. Geburtstagsgeschenke für den Mann
Eins hab ich heute fertig gekriegt (ich kann nur noch nichts zeigen davon, denn sonst ist die Überraschung ja hin), ein weiteres Teil werde ich gleich zuschneiden. Das ist auch viel komplizierter, ich hoffe, ich kriege das noch rechtzeitig hin und mache keinen Mist. Ich werde Ende des Monats berichten.

2. die Kreation zu Selmins Februar-Farbe der 12 Colours of Handmade Fashion: 12 Colours of Handmade Fashion: Februar – Beige
Ich bin eher der blasse Hauttyp, deshalb ist Beige normalerweise nicht die Farbe, die ich für Oberteile wähle. Cremefarbene Röcke sind auch nicht so mein Ding, bei Hosen finde ich die Farbe okay, aber für Beinkleidung muss ich noch viel, viel üben, das schaff ich nicht bis Ende Februar. So sah ich mich schon vor dem Dilemma, mir doch ein beige Oberteil nähen zu müssen, dass ich dann nicht anziehen würde, weil ich damit krank aussähe. Dann brachten mich Selmins maritime Mood-Bilder zum Farbthema in ihrem Blog und diverse Fashion-Beispiele auf ihrer Pinterest-Seite auf die Idee: Ich mach mir ein Bretonshirt mit blauen Streifen auf (nicht ganz so hellem) beigefarbenem Grund! (So einen Stoff hab ich nämlich seit letztem Herbst auch auf meinem besagten Stoffstapel liegen.) Der Schnitt – das Timpe Tee von Schneidernmeistern – ist bereits gekauft und muss jetzt nur noch ausgedruckt, zugeschnitten und genäht werden. Ich glaub, das wird was Schönes! Ich werde berichten 😉

Habt alle noch einen schönen Sonntag und einen guten Start in die nächste Woche!

Tschüß!
Wiebke

12 Colours of Handmade Fashion: Januar – Grün

Liebe Slow-Fashion-, Näh-, Strick- und DIY-Gemeinde in den Weiten des World Wide Web,

was hätte ich die letzten Jahre ohne euch und eure Bilder, Anleitungen, Tutorials und Anregungen gemacht? Wahrscheinlich wäre ich weiter in Sachen Handarbeiten auf meinem stricktechnisch zwar fortgeschrittenen, aber technisch dennoch recht beschränkten und ästhetisch ziemlich unterentwickelten Stand der späten 80er geblieben. Gott sei Dank entdeckte ich aber vor rund 5 Jahren in einer Phase, in der ich mich beruflich ziemlich ausgebrannt fühlte (und auch war), auf der Suche nach etwas Sinnvollen, Schönen und Entspannenden in meinem Leben die Website von Purl Soho mit ihren wundervollen Anleitungen zum Selbermachen. Alles, was ich da sah, war selbstgemacht UND schön – nicht nur selbstgemacht wie das, was ich so neben dem Fernsehen produzierte, wenn mir nur fernsehen zu langweilig war. Ich hatte sofort Blut geleckt. Das wollte ich auch machen! Besonders ein Kissen in Schaf-Form hatte es mir angetan: das Bobble Sheep Pillow. Allerdings sah ich mich plötzlich mit völlig neuen Stricktechniken konfrontiert, die zu allem Überfluss auf Englisch beschrieben wurden. Doch mein Ehrgeiz war geweckt und das Internet bot nicht nur Inspiration, sondern auch Übersetzungshilfen und YouTube-Videos, mit denen ich die ersten Schritte in dieser neuen Fachsprache meisterte. Ich habe für das Kissen ewig gebraucht und die Erfahrung, etwas mal wiedr gar nicht zu können und völlig neu lernen zu müssen, war schon teilweise recht frustrierend (und manchmal auch ein bisschen beängstigend). Aber schließlich war Erika fertig:

Bobble Sheep „Erika“
Und ich war stolz wie Bolle! Der nächste Meilenstein in meiner Karriere als ambitionierte Handarbeiterin war die Entdeckung von Ravelry. Hier erschloss sich mir plötzlich die ganze Welt des Strickens – wieder mit völlig neuen Techniken, aber auch mit jungen, frischen Designs von Indie-Designern. Bislang hatte ich die Brigitte- und Lana-Grossa-Anleitungen schon für das Nonplusultra gehalten … In Zukunft würde ich deutsche Strickhefte nur noch mit Verachtung strafen.
In der Zwischenzeit habe ich stricktechnisch jede Menge gelernt, tolle Leute und Designer kennengelernt und wirklich tragbare Sachen produziert (dazu zu späterer Zeit mehr).

Was mir bis zum Frühjahr 2016 nach wie vor fremd blieb, war das Nähen. Meine Mutter hat genäht (für sich selbst und für die gesamte Familie), seit ich denken kann, und sie hat es immer sehr bedauert, dass ich mich trotz Bemühungen von ihrer Seite für dieses textile Hobby nie erwärmen konnte. Mir selbst schien der räumliche und maschinelle Aufwand, der mit dem Nähen verbunden war, unattraktiv hoch. Beim Stricken konnte man gemütlich auf dem Sofa sitzen und man konnte sein Strickzeug auch überall mit hinnehmen – mach das mal mit ner Nähmaschine und ner Overlock.

2016 sah ich dann im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine zum Teil wirklich schockierende Ausstellung zum Thema „Fast Fashion“. Vielleicht gab das den Anstoß, vielleicht war einfach die Zeit reif, auf jeden Fall fing ich an, übers Nähen nachzudenken – offensichtlich so laut, dass mein Mann mir zu meinem nächsten Geburtstag eine Einsteiger-Nähmaschine von W6 schenkte. Und von diesem Augenblick gabs für mich kein Halten mehr! Ich habe mich langsam rangetastet an Maschine und Stoffe mit einfachen Projekten wie Decken und Hüllen, hab schlecht sitzende Shirts aus den falschen Materialien fabriziert, bin über Burda-Anleitungen schier verzweifelt und habe mich aber trotzdem von Teil zu Teil gesteigert. Inzwischen, nach einem knappen Jahr nähen, hat sich meine Garderobe um ein paar Lieblingsteile erweitert und ich freue mich auf jedes kommende Projekt, bei dem ich wieder etwas lerne.

Dabei haben mir auch die vielen Blogs unglaublich geholfen. Durch sie habe ich Trends, Stoffhändler, Schnitte und Designer fernab vom Burda-Mainstream kennengelernt, und durfte feststellen, dass ich nicht die Einzige bin, bei der auch mal etwas gründlich schiefging. Und ich wurde zusehend neidisch auf den Austausch, der unter den vielen Bloggern bestand. (Ich hatte bis dato nur einen Instagram-Account und schätzte schon hier das Feedback von Menschen aus aller Welt.) Als Selmin auf ihrem großartigen Blog Tweed & Greet, den ich schon seit geraumer Zeit verfolgte, im Dezember für 2017 die Aktion „12 Colours of Handmade Fashion“ ausrief, war klar: Ein Blog musste her!

Und da bin ich nun, mit noch einem DIY-Blog im WWW. Ich hoffe, dass er euch gefällt, dass auch ich für die ein oder andere Inspiration gut bin und dass ich hierüber viele spannende Menschen kennenlerne. Zum Start stelle ich euch meinen Januar-Beitrag für die „12 Colours of Handmade Fashion“ vor: das Kleid „Gerda“ aus der aktuellen La Maison Victor.

Der Stoff ist ein schön schwer fallender BW-PE-Jersey (70/30) in einem leuchtenden Petrol, das hier hoffentlich noch im Entferntesten als Grün durchgeht. Für den Fall, dass nicht, hätte ich das Kleid auch noch in einem dünneren T-Shirt-Stoff in Dunkelgrün in petto. Es war das Probeteil für den Schnitt, ist grundsätzlich auch gut gelungen, nur der Stoff war einfach einen Tick zu schlabberig für den Schnitt und klebt zum Teil unschön an den Problemzonen 😏.

Die Anleitung war perfekt, das fertige Kleid entspricht in der Größe genau den Maßtabellenangaben und es trägt sich wunderbar bequem.

Nur leider ist es für so ein Frühlingsteil draußen zurzeit viel zu kalt. Da heißt es also, sich noch ein bisschen zu gedulden … oder ein kleines Strickjäckchen dazu zu nähen. Ich hätte da noch einen schönen farblich passenden Wollstoff aus dem letzten Sale bei Frau Tulpe. ☺️

So, für diesen ersten Post soll es nun genug sein. Ich freue mich auf die kommende Zeit mit euch! Und jetzt stürze ich mich mal wieder in meine Stoffvorräte.

Liebe Grüße aus Hamburg
Wiebke