HOHELUFT goes Denmark

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber wenn ich unseren Urlaub plane, dann recherchiere ich im Vorfeld auch immer, ob es neben den üblichen Natur- und Kulturattraktionen im näheren Umfeld des jeweiligen Ferienortes (das Umfeld darf sich dann auch schon mal gern auf einen Radius von 100 km ausdehnen) nicht vielleicht auch irgendetwas Interessantes für die Textilhandwerkerin gibt. Das können Museen, Werkstätten und Märkte sein, gern genommen sind aber natürlich immer auch Wollläden und Stoffgeschäfte. 

Diesen Februar war eine Woche Nordjütland angesagt. Februar an der dänischen Nordseeküste, das bedeutet für mich: schönes Ferienhaus, endlose Strände in fußläufiger Nähe und Wetter satt. Im Gepäck jede Menge wärmendes Selbstgestricktes und ein ganzer Sack voller angefangener Strickprojekte (von denen jetzt am vorletzten Tag unseres Urlaubs gerade mal eine Mütze und eine rechte Socke fertig geworden ist – ich war auch schon mal fleißiger). Diese haben mich allerdings nicht davon abhalten können, für weiteren Materialnachschub zu sorgen.

Gleich im 5 km entfernten Saltum befindet sich der hübsche und gar nicht mal so kleine Wollladen Bindestuen.

Hier gibt es neben den großen Marken wie Lana Grossa und Regia viele in Deutschland nicht an jeder Ecke zu bekommende nordeuropäische Garne, darunter auch welche von den Färöern. Die Besitzerin Inger Berthelsen richtet jedes Jahr im Mai das überregional bekannte Wollfestival Saltum aus: ein Muss für alle, die mehr über jütische Wolle und Wollproduktion erfahren wollen. Eigentlich wollte ich mich hier nur mal ein bisschen umgucken, weil ich in Sachen Wollkauf in den nächsten Tagen noch etwas Besonderes vorhatte, aber dann schließlich konnte ich mich doch nicht zurückhalten und so kommen nun ein bisschen dänische Sockenwolle und niedliche kleine Maschenmarkierer mit nach Hamburg.

Das wahre Woll-Event stand dann für heute auf dem Programm: ein Besuch direkt beim Wollhersteller Holst Garn. Ich hatte das Label 2013 durch die junge Strickdesignerin Rililie kennengelernt: Sie präsentierte ihren Cocktail Jumper in Holst Supersoft Uld und schwärmte von dieser Wolle. Mir war das Garn vorher noch nie begegnet, aber als ich es dann in den Händen hielt, wusste ich, was sie meinte. Supersoft Uld ist ein klassisches Shetlandgarn, das sich wunderbar für Fair-Isles-Strickerei eignet und so gibt es auch unglaublich viele Farbvarianten. Das macht die Auswahl nicht leicht, vor allem nicht, wenn man über eine Bildschirmansicht versucht, sich für eine bestimmte Nuance zu entscheiden. Wer die Katze nicht im Sack kaufen möchte, dem empfehle ich wärmstens die Farbauswahlkarten, die ebenfalls bestellbar sind und alle erhältlichen Farbvarianten enthalten. Da die Holst-Wolle im Branchenvergleich recht günstig ist, kann man sich aber auch einfach noch ein oder zwei Knäuel (oder besser gesagt Yarn Cakes) zur Probe bestellen und sich damit später im Zweifelsfall noch eine Mütze oder Armwärmer stricken. Das Garn selbst ist recht dünn, flauscht aber nach dem Waschen noch schön auf. Allerdings bleibt es seinem Namen zum Trotz auch dann in der Haptik verhältnismäßig rustikal, ohne aber wirklich kratzig zu sein (nur supersoft ist für mich was anderes).

Die anderen Garne von Holst hatte ich noch nicht verstrickt, aber ich war sehr neugierig auf die Gemische von Schafwolle mit Baumwolle, Seide oder Kaschmir. Also auf nach Aalbybro, das nur 20 Autominuten von unserem Ferienhaus entfernt liegt. Hier befindet sich der Firmensitz von Holst mit einem nur donnerstags geöffneten Wollladen. Das Navi führte uns über immer kleiner werdende Landstraßen bis zu einer kleinen Ansammlung von Bauernhöfen. Und so sieht es aus, das „Headquarter“ des Garnherstellers:


Drinnen ist es aber umso gemütlicher und es herrschte auch durchaus Betrieb: Man kennt die abgelegene Adresse hierzulande offenbar. An den Wänden stapeln sich die Woll-Küchlein in allen Farben des Regenbogens, daneben gibt es viel Strickzubehör und Materialpakete, zum Beispiel für Mützen mit Fellpompoms.

Da ich wusste, wie sehr man sich in der Farbauswahl verlieren kann, hab ich mich diesmal gleich auf die 500-g-Konen konzentriert. Dafür gab’s davon für mich gleich drei: 1x Supersoft Uld (100 % Schurwolle) in Dark Apple, 1x Coast (55 % Merinowolle, 45 % Baumwolle) in Passion Flotter und 1x Tides (70 % Schurwolle, 30 % Seide) in Mole.

Eine weitere Möglichkeit zum Direktkauf beim Strickhersteller gibt es übrigens ebenfalls in dieser Region Dänemarks. Noch ein bisschen weiter nördlich, in Bindslev, auf dem Weg Richtung Skagen, findet man den Sitz des Woll-Labels Isager. Marianne Isager ist dafür bekannt, ausschliesslich mit Naturfasern zu arbeiten und nur besten Garnqualitäten in einer reichen Farbfülle zu produzieren. Die Öffnungszeiten des Shops sind hier etwas komfortabler: vom 1.7. bis 1.9. täglich 11.00 bis 17.00 Uhr, in der übrigen Zeit donnerstags bis sonntags 11.00 bis 16.00 Uhr.

Um zu vermeiden, dass dieser Urlaub allzu stricklastig würde, musste jetzt dringend noch ein Stoffgeschäft her. Und was läge in Dänemark näher als Stoff & Stil? In Hamburg hatte ich mich bislang noch nicht dazu aufraffen können, mühselig mit den Öffentlichen an den Stadtrand zu fahren, um die Zweigstelle der dänischen Stoffhandelskette in Halstenbek-Krupunder (schon der Name!) zu besuchen. In Aalborg liegt die Filiale nicht gerade pittoresk im Gewerbegebiet im Süden der Stadt gleich neben IKEA. Zum Konzept des Ladens und der Auswahl muss ich euch wohl nicht viel erzählen – wahrscheinlich bin ich die Einzige, die noch nie bei Stoff & Stil war. Ich hab mich auf jeden Fall mit günstigem Overlockgarn und Reißverschlüssen eingedeckt. Ach ja, und drei Stöffchen sind dann auch noch abgefallen … hüstel.

Jetzt wird es dringend Zeit, dass ich wieder nach Hause komme, um meine ganzen Urlaubsmitbringsel zu verarbeiten. Außerdem freue ich mich schon auf den 27.2. und eure Beiträge zur Februar-Aufgabe von 12 Colors of Handmade Fashion. Ich habe mein beigefarbenes Teilchen hier im Sturm vor dem Ferienhaus abgelichtet und kann es kaum erwarten, es am Montag im Blog zu präsentieren.

Habt bis dahin eine wunderbare Restwoche!

Liebe Grüße aus Nordjütland
Wiebke

2 Gedanken zu „HOHELUFT goes Denmark“

  1. Ich liebe ja so kleine, liebevoll eingerichtete Handarbeitsläden. Und gerade Wolle besticht unheimlich durch die Farbvielfalt und die Haptik des Materials. Dass es sogar ein Woll-Festival gibt – echt cool!
    Hach, Dänemark – schrieb ich ja schon, dass ich großer Fan bin. Auch im Winter, da ist das Meer doch einfach magisch, oder?
    LG
    Antonia

    1. Das ganze Land scheint voll zu sein von Stoff- und Wollläden. Nach meinem Post habe ich gleich. Ich einen in Aalborg und einen besonders schönen in Lønstrup gefunden. Wurde natürlich auch gleich noch was gekauft 😊 (Damit muss jetzt aber wirklich Schluss sein: Für den Mystery KAL von Stephen West hab ich gestern meine Vorräte gesichtet und ob ihres Umfangs einen echten Schock bekommen).
      An die Nord-/Ostsee fahren wir eigentlich immer in der Nebensaison – da ist es günstig und nicht so überfüllt und die Leute sind irgendwie immer entspannter.
      LG aus Hamburg
      Wiebke

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