12 Colours of Handmade Fashion: Januar – Grün

Liebe Slow-Fashion-, Näh-, Strick- und DIY-Gemeinde in den Weiten des World Wide Web,

was hätte ich die letzten Jahre ohne euch und eure Bilder, Anleitungen, Tutorials und Anregungen gemacht? Wahrscheinlich wäre ich weiter in Sachen Handarbeiten auf meinem stricktechnisch zwar fortgeschrittenen, aber technisch dennoch recht beschränkten und ästhetisch ziemlich unterentwickelten Stand der späten 80er geblieben. Gott sei Dank entdeckte ich aber vor rund 5 Jahren in einer Phase, in der ich mich beruflich ziemlich ausgebrannt fühlte (und auch war), auf der Suche nach etwas Sinnvollen, Schönen und Entspannenden in meinem Leben die Website von Purl Soho mit ihren wundervollen Anleitungen zum Selbermachen. Alles, was ich da sah, war selbstgemacht UND schön – nicht nur selbstgemacht wie das, was ich so neben dem Fernsehen produzierte, wenn mir nur fernsehen zu langweilig war. Ich hatte sofort Blut geleckt. Das wollte ich auch machen! Besonders ein Kissen in Schaf-Form hatte es mir angetan: das Bobble Sheep Pillow. Allerdings sah ich mich plötzlich mit völlig neuen Stricktechniken konfrontiert, die zu allem Überfluss auf Englisch beschrieben wurden. Doch mein Ehrgeiz war geweckt und das Internet bot nicht nur Inspiration, sondern auch Übersetzungshilfen und YouTube-Videos, mit denen ich die ersten Schritte in dieser neuen Fachsprache meisterte. Ich habe für das Kissen ewig gebraucht und die Erfahrung, etwas mal wiedr gar nicht zu können und völlig neu lernen zu müssen, war schon teilweise recht frustrierend (und manchmal auch ein bisschen beängstigend). Aber schließlich war Erika fertig:

Bobble Sheep „Erika“

Und ich war stolz wie Bolle! Der nächste Meilenstein in meiner Karriere als ambitionierte Handarbeiterin war die Entdeckung von Ravelry. Hier erschloss sich mir plötzlich die ganze Welt des Strickens – wieder mit völlig neuen Techniken, aber auch mit jungen, frischen Designs von Indie-Designern. Bislang hatte ich die Brigitte- und Lana-Grossa-Anleitungen schon für das Nonplusultra gehalten … In Zukunft würde ich deutsche Strickhefte nur noch mit Verachtung strafen.
In der Zwischenzeit habe ich stricktechnisch jede Menge gelernt, tolle Leute und Designer kennengelernt und wirklich tragbare Sachen produziert (dazu zu späterer Zeit mehr).

Was mir bis zum Frühjahr 2016 nach wie vor fremd blieb, war das Nähen. Meine Mutter hat genäht (für sich selbst und für die gesamte Familie), seit ich denken kann, und sie hat es immer sehr bedauert, dass ich mich trotz Bemühungen von ihrer Seite für dieses textile Hobby nie erwärmen konnte. Mir selbst schien der räumliche und maschinelle Aufwand, der mit dem Nähen verbunden war, unattraktiv hoch. Beim Stricken konnte man gemütlich auf dem Sofa sitzen und man konnte sein Strickzeug auch überall mit hinnehmen – mach das mal mit ner Nähmaschine und ner Overlock.

2016 sah ich dann im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine zum Teil wirklich schockierende Ausstellung zum Thema „Fast Fashion“. Vielleicht gab das den Anstoß, vielleicht war einfach die Zeit reif, auf jeden Fall fing ich an, übers Nähen nachzudenken – offensichtlich so laut, dass mein Mann mir zu meinem nächsten Geburtstag eine Einsteiger-Nähmaschine von W6 schenkte. Und von diesem Augenblick gabs für mich kein Halten mehr! Ich habe mich langsam rangetastet an Maschine und Stoffe mit einfachen Projekten wie Decken und Hüllen, hab schlecht sitzende Shirts aus den falschen Materialien fabriziert, bin über Burda-Anleitungen schier verzweifelt und habe mich aber trotzdem von Teil zu Teil gesteigert. Inzwischen, nach einem knappen Jahr nähen, hat sich meine Garderobe um ein paar Lieblingsteile erweitert und ich freue mich auf jedes kommende Projekt, bei dem ich wieder etwas lerne.

Dabei haben mir auch die vielen Blogs unglaublich geholfen. Durch sie habe ich Trends, Stoffhändler, Schnitte und Designer fernab vom Burda-Mainstream kennengelernt, und durfte feststellen, dass ich nicht die Einzige bin, bei der auch mal etwas gründlich schiefging. Und ich wurde zusehend neidisch auf den Austausch, der unter den vielen Bloggern bestand. (Ich hatte bis dato nur einen Instagram-Account und schätzte schon hier das Feedback von Menschen aus aller Welt.) Als Selmin auf ihrem großartigen Blog Tweed & Greet, den ich schon seit geraumer Zeit verfolgte, im Dezember für 2017 die Aktion „12 Colours of Handmade Fashion“ ausrief, war klar: Ein Blog musste her!

Und da bin ich nun, mit noch einem DIY-Blog im WWW. Ich hoffe, dass er euch gefällt, dass auch ich für die ein oder andere Inspiration gut bin und dass ich hierüber viele spannende Menschen kennenlerne. Zum Start stelle ich euch meinen Januar-Beitrag für die „12 Colours of Handmade Fashion“ vor: das Kleid „Gerda“ aus der aktuellen La Maison Victor.

Der Stoff ist ein schön schwer fallender BW-PE-Jersey (70/30) in einem leuchtenden Petrol, das hier hoffentlich noch im Entferntesten als Grün durchgeht. Für den Fall, dass nicht, hätte ich das Kleid auch noch in einem dünneren T-Shirt-Stoff in Dunkelgrün in petto. Es war das Probeteil für den Schnitt, ist grundsätzlich auch gut gelungen, nur der Stoff war einfach einen Tick zu schlabberig für den Schnitt und klebt zum Teil unschön an den Problemzonen 😏.

Die Anleitung war perfekt, das fertige Kleid entspricht in der Größe genau den Maßtabellenangaben und es trägt sich wunderbar bequem.

Nur leider ist es für so ein Frühlingsteil draußen zurzeit viel zu kalt. Da heißt es also, sich noch ein bisschen zu gedulden … oder ein kleines Strickjäckchen dazu zu nähen. Ich hätte da noch einen schönen farblich passenden Wollstoff aus dem letzten Sale bei Frau Tulpe. ☺️

So, für diesen ersten Post soll es nun genug sein. Ich freue mich auf die kommende Zeit mit euch! Und jetzt stürze ich mich mal wieder in meine Stoffvorräte.

Liebe Grüße aus Hamburg
Wiebke

6 Gedanken zu „12 Colours of Handmade Fashion: Januar – Grün“

  1. Liebe Wiebke, dann mal herzlich willkommen in der Bloggerwelt, schön, dass Du da bist:-) Ich freu‘ mich, dass Du mit Deinen tollen Kleid dabei bist, der Stoff sieht richtig schön griffig und hochwertig aus, gefällt mir supergut! Hab mich einen tollen Sonntagabend! Liebste Grüße, Selmin

    1. Liebe Selmin,
      wie toll, dass ich wirklich einmal direkt mit die kommuniziere! Ich „verfolge“ dich so lange auf Instagram und deinem Blog, dass ich glatt das Gefühl habe, dich richtig zu kennen. Auf jeden Fall kannst du es auf deine Fahnen schreiben, dass ich jetzt auch öffentlich nähe und mich auch an ausländische Anleitungen rantraue.
      Ich freue mich schon sehr auf das weitere bunte Näh-Jahr mit dir!
      Ganz liebe Grüße aus Hamburg
      Wiebke

  2. Wow, das Kleid ist toll! Ein bisschen extravagant, aber trotzdem alltagstauglich. Und bis zum Frühling dauert es gar nicht mehr soo lange …
    Ich hab auch mal auf deinem Insa-Account gestöbert, du machst sehr sehr schöne Sachen!
    Liebe Grüße von Doro

    1. Liebe Doro,
      vielen Dank für die lieben Worte! Das ist ein schöner Start ins Blogger-Dasein. Ich versuche mich gerade an einem farblich passenden Jäckchen, dann kann ich das Kleid vielleicht doch schon tragen, bevor die Bäume ausschlagen.
      Viele Grüße
      Wiebke

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