12 Colours of Handmade Fashion: Februar – Beige

Februar, der zweite Monat der 12 Colours of Handmade Fashion. Ich hatte mich bereits für viele knallige Farben gewappnet nach dem für mich doch sehr komfortablen Grün des Monats Januar: Gelb, Pink, Lila oder gar Orange? Was Selmin uns dann präsentierte war – Beige. Mmmm, klang ja erst mal gar nicht so gefährlich und auch total kompatibel mit großen Teilen der bestehenden Garderobe. Hat sich aber trotzdem als gar nicht mal so simpel herausgestellt, denn alles Cremefarbene verträgt sich nicht so recht mit meinem Teint. 

Ich bin sehr blass, ein bisschen sommersprossig und werde auch im Sommer beim besten Willen nicht braun, sondern höchstens rot – zum größten Leidwesen meiner Haut. Selbst Einschmieren mit SF 50 hilft da nix, also begegne ich der Sonne meist mit Langärmligem, Hüten und Mützen – und meide ansonsten nach Möglichkeit die Konfrontation. Im Winter bin ich dann meist noch einen Tick blasser als sonst. Beigefarbene Oberbekleidung verstärkt den Effekt und lässt mich im schlimmsten Fall richtig krank aussehen. (Letztlich gilt das für alles mit Gelbstich und auch Pastellfarben sind obenrum ein absolutes No-go.)

Beige also … Beinkleider würden ja gehen … Da stünde ich aber vor dem nächsten Problem: dem Zeitfaktor. Röcke und Kleider hatte ich in den zurückliegenden 12 Monaten eine ganze Menge genäht, da wollte ich gerade eigentlich mal Abstand von nehmen. An Hosen hatte ich mich bislang noch nicht recht herangetraut (bis auf eine ganz gerade Ausnahme und zwei Shorts mit Gummizug für den Mann), damit sollte aber demnächst Schluss sein. Auf der To-sew-Liste für dieses Frühjahr stand deshalb eine High-Waist Safran von Deer + Doe, die ich schon seit ihrem Erscheinen letzten Herbst beäugte (der Schnitt ist sogar schon gekauft und ausgeschnitten). Es ist eine enge elastische Hose, die laut Beschreibung für jeden Figurtyp passt. Damit das auch in der Realität so ist, bieten die Designerinnen eine ganze Reihe von Tutorials dazu, wie man sich die Safran direkt auf den Leib schneidert. Ein toller Service, aber auch ein Projekt, das sich garantiert nicht an einem Wochenende näht (vor allem nicht, wenn man bedenkt, wie viel Mist ich in der Regel auf dem Weg zum fertigen Kleidungsstück immer baue). Und da diesen Monat Zeit ja nun das Problem war, fiel also das Hosenprojekt in Beige flach. Womit wir wieder beim ursprünglichen Dilemma waren: beigefarbenes Oberteil vs. blasser Teint.

Einen Februar-Beitrag abliefern wollte ich aber unbedingt. Schließlich war die Tweed-&-Greet-Aktion ja der Auslöser dafür gewesen, warum ich überhaupt mit dem Näh-Bloggen angefangen hatte. Ich stand schon kurz davor, irgendeine cremefarbene Bluse zu nähen, als ich in Selmins Inspirations-Pinterest-Pinnwand auf ein gestreiftes Bretonshirt stieß. Warum war ich darauf nicht schon früher gekommen? Schließlich hatte ich aus einem Karstadt-Ausverkauf noch einen wirklich schönen greige-blau gestreiften Viskosejersey auf meinem ständig wachsenden Stoffstapel. Und seit meinem Walkwolle-Karl geisterte mir auch das Timpe Tee von Schneidernmeistern im Kopf herum. Monika Schmidt-Mader bezeichnet ihre Schnitte als „Crazylazywear“ und so entspannt-spannend wie es klingt, nähen sich ihre Entwürfe auch. Perfekt also für mich und diesen Februar.

Das Timpe Tee ist ein Statement-Bretonshirt, ganz in der Tradition von Picasso und Coco Chanel. Mit weitem Rundhalsausschnitt, 3/4-Ärmeln und weichem, weitem Fall. Bequem ist es und sehr maritim. Vorstellbar in leichtem bis festerem Jersey, ein Versuch wären sicherlich auch die dickeren gestreiften Baumwollstrickstoffe wert, wie man sie aus der Bretagne für dieserart Pullover kennt. Mein Stoff war wie gesagt ein sehr weicher und elastischer Viskosejersey, der sich herrlich kühl auf der Haut anfühlt.

Timpee Tee

Beim Nähen hat er sich aber als kleines Miststück entpuppt. Mit Jersey (auch mit Elasthananteil) hatte ich bisher nie Probleme gehabt, aber dieser hier war so stretchig, dass sich die Stofflagen beim Nähen mit meiner einfachen Nähmaschine immer wahnsinnig verzogen. Ein Obertransport hätte sicherlich geholfen, war aber nicht vorhanden, und der nachträgliche Tipp meiner Mutter, Seidenpapier obenauf zu legen und dann hindurchzunähen, kam auch zu spät – hätte ich mal früher nachgefragt, Seidenpapier wäre nämlich schon zur Hand gewesen.

Na ja, wie dem auch sei, der Stoff verzog sich, ich versuchte alles, es zu verhindern, an manchen Stellen konnte ich mit Bügeln noch was retten, aber oben am Halsausschnitt (auch noch vorn) hab ich jetzt ne kleine Falte. Und die Streifen an einer Seite sind auch ein bisschen versprungen, obwohl ich jeden (!) blauen Streifen mit zwei (!) Stecknadeln fixiert habe. Aber ansonsten ist das Shirt ganz großartig und die kleinen Macken ändern nichts an seiner absoluten Alltagstauglichkeit.

Es muss nur noch ein klein bisschen wärmer werden bis zu seinem Einsatz. Die Fotos haben wir im Dänemark-Urlaub vor unserem Ferienhaus aufgenommen. Es stürmte (man sieht`s an der Frisur) und ich bin halb erfroren. Aber im Sommer wird mich das Timpe Tee ganz wunderbar kühlend umhüllen. Ich muss unbedingt gleich mal ein paar Tage Sankt Peter-Ording planen 🙂

Jetzt schnell noch zur Link-Party bei Selmin und dann bin ich sehr gespannt, wie ihr anderen die Farbe Beige interpretiert habt.

Liebe Grüße
Wiebke

7 Gedanken zu „12 Colours of Handmade Fashion: Februar – Beige“

  1. Wie cool dass Du wegen der Aktion angefangen hast zu bloggen! Da wirst Du sicher schnell andere Nähbegeisterte kennenlernen und zum Austausch ist es wirklich super!
    Dein Shirt ist klasse geworden, ich mag den Stoff sehr. Schade, dass der bei der Verarbeitung so rumgezickt hat. Aber dass vielleicht ein oder zwei Streifchen etwas verrutscht sind oder mal eine Fältchen irgendwo ist, siehst wahrscheinlich nur Du.
    Tolle Fotos…aus Dänemark, hach!
    Ich freue mich schon, mehr von Dir zu lesen.

    1. Liebe Marja, vielen Dank für die lieben Worte! Ich verzeihe dem Stoff im Nachhinein sein „Gezicke“, weil er so schön fällt und dich so toll anfühlt. Und ich hab ja schließlich auch was dazugelernt bei seiner Verarbeitung.
      Und was das Bloggen angeht: Ich hatte ja keine Ahnung, wie viel Spaß das macht und wie bereichernd es schon nach so kurzer Zeit ist! Am Wochenende war ich furchtbar eingespannt, aber ich hoffe, ich schaffe es in den nächsten Tagen mal was zum Thema Stricken zu posten.
      Auf jeden Fall freue ich mich sehr, dass du dabei bist 😘
      Alles Liebe
      Wiebke

      1. Das sieht man auf den Fotos direkt, wie schön der Stoff fällt! Leider sind genau diese Stoffe ein bisschen eine Diva unter der Maschine 😉

        Das kann ich verstehen, dass Du schon ganz zappelig bist, um wieder etwas posten zu können. Das ging mir am Anfang auch so und oft ist es auch jetzt noch so 🙂 Da bin ich mal gespannt, was Du so zum Thema Wolle postest 🙂
        Ganz liebe Grüße,
        Antonia (aka Marja Katz)

  2. Liebe Wiebke, ich liebe ja Bretonshirts sehr! Und Deine Timpee Version ist superschön lässig geworden. Einmal Däumchen hoch! Ich find’s so toll, dass Du wegen meiner Aktion tatsächlich angefangen hast zu bloggen:-) Hier einmal ein dicker Drücker aus Köln! Liebste Grüße, Selmin

    1. Liebe Selmin,
      den Blog zu eröffnen, war eine meiner besten Entscheidungen seit Langem – danke dir noch mal für den, wenn auch indirekten, Anstoß dazu! Es gibt nur wenige Menschen in meinem näheren Umfeld, die meine Näh-Leidenschaft teilen. Zwar gefällt es mir durchaus, nur vor mich hin zu werkeln, aber viel schöner ist es doch, es zusammen mit Gleichgesinnten zu tun. Dank Blogs wie deinem hab ich mich im letzten Jahr technisch und ästhetisch viel schneller weiterentwickelt, als es mir allein im stillen Kämmerlein möglich gewesen wäre. Ich freu mich schon unglaublich auf alles, was da noch so kommen wird 😃 Drücker zurück aus Hamburg! Liebe Grüße. Wiebke

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